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“How do you do” vs. “How’s it goin’ mate”

Während unsere (Groß)eltern noch mit Peter Pim und Billy Ball Englisch lernten und somit Floskeln wie “How do you do?” – “How do you do?” oder “It’s raining cats and dogs!” verinnerlicht haben, sehen sich Englischlernende unserer Generation eher mit sprachlichen Phänomenen wie “How’s it goin’ mate” oder “Whatcha doin’ ?” konfrontiert. Letztere lösen bei eher traditionell gepolten Englischlehrer*innen, für die das klassische Oxford-English immer noch den Höhepunkt der anglistischen Sprachentwicklung darstellt, zwar, gelinde gesagt, Skepsis aus – sind aber, für viele junge Englischlernende, näher an der tatsächlichen Sprachrealität als vermeintliches Standardenglisch.

In keinem Fall soll dieser Beitrag als eine Absage an die Bedeutung von grammatikalisch korrektem und lexikalisch universell verständlichen Englisch verstanden werden. Gerade im professionellen und/oder wissenschatlichen Sprachgebrauch ist dies unerlässlich. Dennoch halte ich es für angemessen, über den elitären Tellerrand eines rein am Oxford English orientierten Sprachunterrichts hinwegzublicken, und Schüler*innen mit einem der Hauptmerkmale der englischen Sprache vertraut zu machen – ihrer Vielfalt.

Lokalität und Situation

Von all den kleinen und kleinteiligen Kategorisierungen, die die Linguistik hierfür zu bieten hat, sind für die Unterrichtspraxis in erster Linie zwei Möglichkeiten der Variation interessant: regionale und soziale. Vereinfacht ausgedrückt: in England spricht man anders als in den USA spricht man anders als in Australien; im Business Meeting spricht man anders als mit der Familie spricht man anders als in einem Backpacker Hostel. Nun soll es nicht Ziel eines Englischunterrichts sein, dass der/die Lernende in der Lage ist, fehlerfreies Cockney English zu sprechen (Bemerkung am Rande: hier stellt sich nicht nur die Frage, ob das in Ermangelung einer Kindheit in der englischen Arbeiterklasse möglich, sondern auch, ob das wünschenswert sei – man denke an diejenigen Mitmenschen, die aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands nach Berlin gezogen sind und sich alle Mühe geben, dem Dialekt nach wie waschechte Berliner anstatt wie Zugezogene zu klingen. Und man denke weiter an die Frage, in wie weit diese Menschen ernst genommen werden.)

Anpassung des Unterrichts

Zurück zum Text. Während also die tatsächliche Aneignung einer wie auch immer gearteten Variation nicht das Ziel des Englischunterrichts sein kann und/oder soll, ist es dennoch essenziell und vor allem zeitgemäß, die Lernenden mit der Vielfalt der englischen Sprache vertraut zu machen. Warum? In erster Linie, um Missverständnissen vorzubeugen. Wie zum Beispiel, dass ein Engländer etwas essenziell anderes meint, wenn er sagt “I’m pissed” (= “Ich bin betrunken”) als wenn ein Amerikaner sagt “I`’m pissed” (= “Ich bin sauer”). Oder dass ein Ire, der fragt “What’s the crack?” aller Wahrscheinlichkeit nach keine Drogen verkaufen will, sondern an dem Befinden des Gegenüber interessiert ist. Oder dass die Frage “Where you going?” unter Auslassung von “are” kein Indiz mangelnder Sprachbeherrschung seitens des Gesprächpartners ist, sondern lediglich ein Anzeichen für ein afro-amerikanisches Umfeld. Oder, oder, oder.

Die Liste solcher Beispiele ließe sich unbegrenzt fortführen, die aufgelisteten sollten jedoch als Beleg dafür genügen, dass ein Unterricht, der die Vielseitigkeit des Englischen nicht berührt nicht mehr zeitgemäß ist – nicht nur aufgrund einer Veränderung der Wahrnehmung dessen, was “gutes” oder “schlechtes” Englisch ist, sondern vor allem aufgrund einer veränderten Lebens- und auch Arbeitsrealität unserer Generation. Wen es aufgrund eines neuen Jobs nach Baltimore verschlägt, dem ist mit Lern-CDs in britischem Akzent nicht viel geholfen. Und jemand, der in den Niederlanden aufgewachsen ist, in England studiert hat, in Canada arbeitet und seinen Urlaub gelegentlich auf Jamaica verbringt (…zugegebenermaßen nicht der alltägliche Lebensentwurf. Aber nahe genug an der Realität dran) wird eben weder Oxford English noch eine “Reinform” irgendeines anderes Dialekts oder Soziolekts sprechen, sondern einen Mix aus all den eben erwähnten – einen Mix, dessen verschiedene Anteile, je nach Kontext, unterschiedlich ausgeprägt sind.

Sprache lässt sich nicht kategorisieren

Die Anerkennung dieser Entwicklung als einen natürlichen Prozess schlägt sich zum einen in der Linguistik nieder, indem in den letzten Jahren Begriffe wie “Standard English” durch solche wie “World English” erweitert wurden. Aber auch in vielen Unterrichtskontexten wird es zum Glück immer üblicher, Englisch nicht als eine Sprache mit einem lernenswerten Zentrum (Oxford English) mit darum herumwuchernden Abarten zu begreifen, sondern als das, was es ist – eine Weltsprache mit einer unglaublichen und großartigen Vielfalt an Spielarten, eine Vielfalt, die ihre ganz eigene Faszination (und somit Lernmotivation) auf die Lernenden ausübt.


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